Geschichte

Kölner Appell gegen Rassismus e.V. – Politische Aufklärung und soziale Hilfen

Alles begann vor 30 Jahren mit einer Unterschriftensammlung. Als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl 1983 erklärte, dass er die Zahl der in der Bundesrepublik lebenden Ausländer um 50 % senken wolle, formulierten einige Kölnerinnen und Kölner  aus Protest dagegen den ,,Kölner Appell gegen menschenfeindliche Ausländerpolitik“. Dieser Name entstand in Anlehnung an den ,,Krefelder Appell“ der Friedensbewegung mit dem 1980 über vier Millionen Unterschriften gegen das atomare Wettrüsten gesammelt wurden.

Da den Leuten, die sich damals beim Sammeln von Unterschriften beim Kölner Appell zusammenfanden bewusst war, dass damit allein keine Alternative zur herrschenden Ausländerpolitik zu entwickeln war, wurde ein Komitee ,,Kölner Appell gegen menschenfeindliche Ausländerpolitik“ gegründet. In den folgenden Jahren wurden durch Flugblätter, Info-Stände, Demonstrationen, Vortragsveranstaltungen und  Podiumsdiskussionen eine Öffentlichkeitsarbeit für die Gleichberechtigung aller Menschen geleistet, in der sich auch Vertreterinnen und Vertreter von Migrantenselbstorganisationen beteiligten. Mit der wachsenden Bekanntheit kamen auch immer mehr Flüchtlinge, die Asylberatung suchten, auf das Komitee zu. Da diese Arbeit allein ehrenamtlich nicht mehr zu leisten war, wurde 1987 ein eingetragener Verein gegründet, der mit Hilfe des Arbeitsamtes drei Stellen für die Asyl- und Sozialberatung schuf.

Angesichts der Pogrome in Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda gegen Flüchtlinge und den mörderischen Anschlägen in Mölln und Solingen Anfang der 1990er Jahre kam es im ganzen Bundesgebiet zu Protesten, bei denen sich Millionen von Menschen an den Lichterketten beteiligten. In Köln fand das legendäre ,,Arsch-Huh“-Konzert auf dem Chlodwigplatz statt, bei dem sich über 100.000 Menschen versammelten. Der Kölner Appell hat in Aktionsbündnissen zu Demonstrationen aufgerufen und die vielbesuchte Veranstaltungsreihe ,,Multikultur in der Festung Europa“ im Bürgerzentrum Alte Feuerwache organisiert.

Neben den Protestaktionen wurde die praktische Hilfe weiterentwickelt: 1993 kamen die Hausaufgabenhilfe für Kinder aus den Ehrenfelder Flüchtlingsheimen dazu und die Antirassismusgruppe – eine Gesprächsrunde für inhaftierte Jugendliche in der Justizvollzugsanstalt Köln-Ossendorf.

Spätestens mit der Einführung der sogenannten Hartz-Reformen 2005 ist Hunger auch ein Thema in Köln geworden auf das wir reagieren mussten. Wir wurden mit Menschen konfrontiert, die am Monatsende nicht mehr genug zu essen hatten. Deshalb sind wir zu einer Anlaufstelle der Kölner Tafel geworden und verteilen an  bedürftige Familien Lebensmittel und organisieren für Kinder und Jugendliche  ein kostenloses Mittagessen. 

Angesichts der wachsenden Kinderarmut  haben wir uns überlegt, wie können sich Kinder und Jugendliche legal ein Taschengeld verdienen. So entstand 2006 die mehrfach ausgezeichnete Kinder- und Jugendzeitung ,,Körnerstraße 77″, von der bisher 12 Ausgaben entstanden sind. Siehe auch www.koernerstrasse77.de.

Unsere Ausstellung ,,Menschen statt Mauern – für ein Europa ohne Jugendgefängnisse“ ist von 2007 bis 2012 durch Schulen, Rathäuser und Jugendzentren. Weil law-and-order ein Kernelement von Rassismus und Rechtsextremismus ist, wollen wir deutlich machen, dass auf soziale Konflikte, durch die es zu Delikten kommt, sozial und nicht polizeilich und juristisch  reagiert werden muss.  Siehe www.jugendliche-in-haft.de

In den vergangenen Jahren  wurde mit der Lebenslüge aufgeräumt, wonach die Bundesrepublik kein Einwanderungsland sei. Aus den Ausländerbeauftragten der Städte und Gemeinden, der Länder und des Bundes wurden Integrationsbeauftragte. In Nordrhein-Westfalen wurde der erste Integrationsminister in der deutschen Geschichte vereidigt. Die Schulpflicht für Flüchtlingskinder wurde eingeführt und die Einbürgerung erleichtert. In Köln wurde der auf Abschreckung orientierte Umgang mit Flüchtlingen aufgegeben und selbst die Überwindung der Rechtlosigkeit der Menschen ohne Aufenthaltsstatus ist als Aufgabe der Stadt anerkannt worden.

Als CDU und SPD 1993  mit der Rechtfertigung, wer über einen sicheren Drittstaat in die Bundesrepublik eingereist sei, könne hier keinen Rechtsanspruch auf Asyl einklagen, das Grundrecht auf Asyl ,,reformierten“, wurde versprochen, gegen die Fluchtursachen vorzugehen. Tatsächlich hat Europa durch die Flüchtlingsbekämpfung aus dem Mittelmeer ein Massengrab gemacht, in dem zehntausende Flüchtlinge und Migrantinnen ertrunken sind. Die Bundesrepublik wurde nach den USA und Russland zum drittgrößten Waffenexporteur der Erde.

Als mit der amerikanischen Revolution von 1776 und der französischen Revolution von 1789 die allgemeinen Menschenrechte verkündet wurden, begann eine Auseinandersetzung um die Verwirklichung gleicher Rechte für alle Menschen, die noch heute weit davon entfernt ist, das Existenzrecht aller Menschen zu sichern. Die Weltgesundheitsorganisation und die Welternährungsorganisation melden Jahr für Jahr, dass wieder über 50 Millionen Menschen an Hunger und leicht heilbaren Krankheiten gestorben sind.

Wir wissen nicht, ob wir der Überwindung der weltweit wachsenden sozialen Ungleichheit  durch unsere Arbeit näher gekommen sind. Eine Welt zu wollen, in der alle ohne Angst verschieden sein können, in  der sich niemand mehr gezwungen sieht, seiner Welt zu entfliehen, wäre eine Welt in der niemand mehr verhungert.