Zu Besuch im EL-DE-Haus / 17. – 19. Oktober 2016

Wie bringt man Kindern das Leben unter der Nazi-Herrschaft näher? Wie vermittelt man ihnen ein realistisches Bild, ohne ihnen einige unruhige Nächte zuzumuten? Felicitas (Fee) Jobs, Mitarbeiterin des EL-DE-Hauses, gelang dies beim Besuch des Kölner Appells in bemerkenswerter Weise. 18 Kinder und 3 Erwachsene waren an drei Nachmittagen Gast des EL-DE-Hauses, die Kinder im Alter von 9 bis 15 Jahren – eine Altersspanne, die sicherlich eine Herausforderung war.

Am ersten Tag lernten wir das EL-DE-Haus kennen, den Sitz der Kölner Gestapo von 1935 bis 1945. Die Büros, die Anmeldung, die Verhörräume – die Schilderungen Fee Jobs‘ ließen eine Atmosphäre von Denunziation und Angst ahnen. Besonders beeindruckt waren die Kinder von den zehn Kellerzellen, in denen bis zu 200 Personen unter katastrophalen hygienischen Bedingungen zusammengepfercht und z. T. wochenlang gefangen gehalten wurden.

Spannend und lehrreich war der Rundgang durch Alt-Ehrenfeld am Nachmittag des zweiten Tages. Fee Jobs begab sich mit uns auf die Spuren von vier – auch jüdischen – Kindern. Plötzlich sahen wir vertraute Straßen wie Körnerstraße oder Stammstraße mit anderen Augen: Hier stand einmal die jüdische Synagoge, die 1938 in den Novemberpogromen zerstört wurde, dort das Haus einer jüdischen Familie, die sich gerade noch vor den Nazis in die USA retten konnte. Vielen Kindern war die Bedeutung der „Stolpersteine“, die in jeder Straße zu finden sind, nicht bekannt. Der Rundgang endete an den Bögen der Bahnunterführung am Bahnhof Ehrenfeld, wo eine Gedenktafel an die Hinrichtung von „Edelweißpiraten“ im November 1944 erinnert. Die Kinder waren beeindruckt von der Geschichte und dem Mut dieser Jugendlichen, die Widerstand leisteten und auch Juden und Zwangsarbeiter versteckten und retteten.

Den dritten Nachmittag verbrachten wir im – wie Fee Jobs es nannte – „Geschichtslabor“ des EL-DE-Hauses für junge Besucher. Wir bildeten fünf Gruppen, die die Verbindung zwischen jeweils drei Gegenständen finden sollten. Die Gegenstände führten über mehrere Stationen zu Codes für jeweils drei Sprachaufzeichnungen einer Person, die während der Nazi-Zeit als Kind in Köln lebte. Unter den fünf Personen waren u. a. ein geflüchteter Jude und eine Kölnerin, die im nationalsozialistischen „Bund deutscher Mädel“ begeistert mitgemacht hatte. Im abschließenden Gespräch interessierte die Kinder zunächst das weitere Schicksal der fünf. Die dann folgende Diskussion über die Motive des Judenhasses und der Begeisterung für Hitler und die Nazi-Ideologie ließ uns nachdenklich das Haus verlassen.

 

Hier ein paar fotografische Eindrücke dieser spannenden drei Tage.

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